Zwölffingerdarm-Verschluss (Duodenalatresie)
Der Zwölffingerdarm (lat. Duodenum) ist der erste kurze Abschnitt des Dünndarms. Er ist beim Menschen circa 30 cm lang, was etwa 12 Fingerbreiten entspricht (daher der Name). Seine Form ist beim Menschen wie ein nach links vorn offenes Hufeisen. Er umrandet den Kopf der Bauchspeicheldrüse und ist mit der Bauchhöhle an der Rückwand verwachsen. In den Zwölffingerdarm münden der galleführende Gang und der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse.
Die Duodenalatresie beruht auf einer Fehlentwicklung des ungeborenen Kindes. Dabei wird der Zwölffingerdarm als Sackgasse angelegt, sodass eine Darmpassage unmöglich wird. Der Verschluss kann in Form einer Membran, die das Darminnere verschließt, vorliegen. Als weitere Ursache kommt ein so genanntes Pankreas annulare in Betracht. Dies ist eine Fehlentwicklung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), bei der sich der Pankreaskopf ringförmig um den Zwölffingerdarm legt und diesen verschließt.
Der Verschluss des Zwölffingerdarms fällt je nach Höhe des Verschlusses bereits ab dem ersten Lebenstag durch galliges oder klares Erbrechen auf. Die Kinder zeigen deutlich Hunger und Appetit. Sie sind allerdings während der Nahrungsaufnahme störungsempfindlich. Dies hängt vermutlich mit den Bauchschmerzen zusammen. Die Kinder erbrechen im Strahl ein bis zwei Stunden nach der Nahrungsaufnahme. Sie geben keinen Stuhl ab und auch die Urinbildung ist deutlich vermindert. Der Unterbauch ist wegen der fehlenden Füllung eingesunken und die Haut erscheint ausgetrocknet. Die Schädelfontanelle ist deutlich eingesunken als Zeichen der körperlichen Austrocknung.
Ohne operative Behandlung verhungern die Kinder. Liegen keine weiteren Fehlbildungen vor, ist die Prognose nach operativer Behandlung sehr gut. Präoperativ besteht die Gefahr einer Aspiration von Erbrochenem in die Lunge, mit folgender Lungenentzündung und sollte verhindert werden.
Morbus Hirschsprung
Beim Morbus Hirschsprung handelt es sich um das Fehlen von parasympathischen Nervenzellen in der Darmwand. Durch die fehlenden Nervenimpulse kommt es zu einem Überschuss der Aktivierung der Muskulatur und die Darmwand kann sich in dem betroffenen Abschnitt nicht aufweiten, es entsteht eine Engstelle (Stenose).
Der vor der Engstelle liegende Darmanteil wird durch die Passagebehinderung sehr weit und es kommt später auch hier zu einer Transportstörung des Stuhlganges (sogenannter Mega-Dickdarm).
Die Krankheit ist angeboren und wird heute schon beim Neugeborenen bemerkt. Bei 4000 Geburten kommt es zu einer Erkrankung, Jungen überwiegen hier. Bei etwa 25 % der mitteleuropäischen Bevölkerung besteht eine spezielle Genvariante, die die Erkrankung bei Jungen bis 6fach und bei Mädchen bis 2fach häufiger ausbrechen läßt, als in der Gesamtbevölkerung.
Die Therapie besteht in der Entlastung des Darmes, so dass ein Riesen-Dickdarm nicht auftreten sollte. Diese Entlastung wird meist durch einen künstlichen Darmausgang vorgenommen. Nachdem das Ausmaß der Erkrankung klar ist, wird der erkrankte Darmanteil entfernt (ab dem 2. Lebensmonat). Nachdem die Passage wieder hergestellt wurde, kann der künstliche Darmausgang wieder verschlossen werden.
Ein normales Leben ist nach einer erfolgreichen Operation möglich.
In einigen Fällen kann es zu einem sich später entwickelnden Bild eines Megakolon kommen. Patienten mit zu hohem Druck des Schließmuskels oder auch anderweitigen Engstellen das Darms können, falls die Störung länger besteht, eine Erweiterung des Dickdarm im Sinne eines Megakolons bekommen. Bei diesen Patienten muss die Störung identifiziert und beseitigt werden. Danach hat der Darm die Chance, sich wieder zu normalisieren. Sollte das nicht gelingen, kann ein künstlicher Darmausgang angelegt werden.
Speiseröhren-Verschluss (Ösophagusatresie)
Bei der Ösophagusatresie (Ösophagus = Speiseröhre; Atresie = Verschluss von Hohlorganen) handelt es sich um einen Verschluss der Speiseröhre. Ursache ist eine Fehlentwicklung der Speiseröhre. Dabei kann ein mehr oder weniger großes Stück der Speiseröhre fehlen. Oder dieser Bereich ist durch einen bindegewebigen Strang ersetzt. Dabei gibt es sehr große Unterschiede in Art und Ausprägung. Es kommt sogar häufig vor, dass von der Speiseröhre eine Verbindung zur Luftröhre besteht. Das ist gefährlich, weil dann Nahrung und Erbrochenes in die Lungen gelangen kann. Eine gefährliche Lungenentzündung könnte die Folge sein. Deshalb müssen solche Fehlentwicklungen so bald wie möglich entdeckt und operiert werden.
Erstes Anzeichen für eine Ösophagusatresie kann eine Herauswürgen schaumiger Flüssigkeit oder ein Erbrechen direkt nach dem ersten Füttern sein.
Neben Erbrechen und Würgen von Schleim und Speichel kommt es bei diesen Neugeborenen häufig zu "Blau-Anlaufen", Husten und rasselnder Atmung. Das Rasseln entsteht, wenn Speichel aus dem Mund, der normalerweise in den Magen ablaufen würde, in die Luftröhre gelangt. Ursache ist eine Verbindung zwischen dem Speiseröhrenstumpf und der Luftröhre. Es ist aber auch möglich, dass sich der Blindsack der Speiseröhre mit Speichel gefüllt hat und dieser überläuft.
Eine Ösophagusatresie ist eine ernsthafte Erkrankung und das Kind darf nicht gefüttert werden. Es kann dadurch zu einer schweren Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) kommen. Eine Lungenentzündung erhöht das Risiko der notwendigen Operation. Sie kann sogar in ganz schlimmen Fällen zum Tod des Säuglings führen.
Die häufigste Form der Atresie ist eine Verbindung vom Magen in die Luftröhre. Dann kann der Magensaft sozusagen in die Lunge "überschwappen". Auch in diesem Fall kommt es zu einer Aspirationspneumonie. Bis die Art der Ösophagusatresie diagnostisch gesichert ist, sollten die Kinder zur Vorsicht hochgelagert werden.
Ein früher Hinweis auf eine Ösophagusatresie kann eine große Fruchthöhle (Hydramnion) während der Schwangerschaft sein. Normalerweise würde ein Fötus während der Schwangerschaft immer etwas Fruchtwasser verschlucken. Bei einer Fehlbildung der Speiseröhre kann er das aber nicht. Deshalb sammelt sich sehr viel Fruchtwasser an. Das führt auch oft zu vorzeitigen Wehen und Frühgeburten.
Die einzige Therapie jeder Art einer Ösophagusatresie ist die operative Korrektur der Speiseröhre. Nach dieser Operation können die Kinder normal schlucken und essen.
Nicht immer ist Erbrechen bei Neugeborenen auf eine Ösophagusatresie zurückzuführen.
