atlantoaxiale Instabilität der Halswirbelsäule
Bei etwa 10 - 20% der Kinder und Erwachsenen mit Down-Syndrom besteht eine sogenannte atlantoaxiale Instabilität der Halswirbelsäule.
Das bedeutet, dass bei dem Gelenk zwischen den obersten beiden Halswirbeln, auch Atlantoaxialgelenk genannt, eine erhöhte Beweglichkeit besteht. Sie ist auf ein zu schlaffes Band, welches die Wirbel zusammenhält, zurückzuführen. So kann es zu einer Verschiebung der beiden Knochen kommen, das Rückenmark kann gequetscht und geschädigt werden, und im Extremfall folgt eine Lähmung der Gliedmaßen. Diese Verschiebung tritt in der Regel erst nach Monaten oder Jahren, manchmal aber auch ganz plötzlich auf.
Die betroffenen Kinder haben normalerweise keine körperlichen Beschwerden (= asymptomatische Instabilität). Sie sollten allerdings jährlich ärztlich untersucht werden, um eine Quetschung des Rückenmarks auszuschließen. Darüber hinaus wird eine Röntgenaufnahme der Halswirbelsäule im Alter von drei bis vier Jahren bei all denen empfohlen, die durch sportliche Aktivitäten ihre Wirbelsäule stark belasten. Die Vermeidung von bzw. Zurückhaltung bei sportlichen Betätigungen, die zu einer Verletzung der Halswirbelsäule führen können, wie z.B. Purzelbaum oder Trampolinspringen, wird in der Literatur unterschiedlich bewertet.
Ein chirurgischer Eingriff zur Stabilisierung der Halswirbelsäule kann bei einer - selten anzutreffenden - symptomatischen Instabilität notwendig werden, wenn zusätzliche Auffälligkeiten wie Gangstörungen oder erhöhte Muskelschwäche auftreten.
Andere orthopädische Besonderheiten bei Menschen mit Down-Syndrom sind Wirbelsäulenverkrümmungen, Beckenveränderungen oder häufige Ausrenkungen von Hüfte und Knie. Sie können operativ korrigiert werden, die Behandlung muß sich jedoch immer an der Gesamtentwicklung orientieren - auch wegen der hohen Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens der Beschwerden (ca. 30 bis 40%).
Wegen der schlaffen Muskulatur sitzen Kinder mit Down-Syndrom häufig im Schneidersitz und mit rundem Rücken nach vorn gebeugt. Durch diese Sitzhaltung werden die Hüftgelenke falsch belastet und als Folge davon die Gelenke frühzeitig abgenutzt. Eltern wird deshalb empfohlen, ihre Kinder nicht in Spreizhaltung zu tragen und außerdem darauf zu achten, dass die Beine beim Sitzen vor dem Körper gehalten werden.